Die fünf Kostenschichten eines Portfolios — und warum die unsichtbaren am meisten kosten
In den Erstgesprächen mit neuen Klienten stelle ich regelmässig eine einfache Frage: Wie hoch sind die Gesamtkosten Ihres Portfolios?
Die meisten können ihre Management Fee nennen. Manche kennen zusätzlich die Depotgebühren. Aber die wenigsten haben eine konsolidierte Übersicht über alle Kostenschichten, die ihr Vermögen belasten. Und genau hier liegt ein häufig übersehenes Optimierungspotenzial.
Warum Kosten überhaupt relevant sind
Eine kurze Vorbemerkung, die offensichtlich klingt, aber in der Praxis erstaunlich oft ignoriert wird: Kosten gehören zu den Faktoren im Anlageprozess, die sich am verlässlichsten vorhersagen lassen.
Renditen schwanken. Märkte überraschen. Risiken lassen sich modellieren, aber nicht eliminieren. Kosten hingegen stehen fest — und sie wirken in jede Richtung. In guten Jahren schmälern sie den Gewinn. In schwachen Jahren reduzieren sie den verbleibenden Ertrag zusätzlich. Über lange Zeiträume entfalten sie durch den Zinseszinseffekt eine Wirkung, die selbst erfahrene Anleger unterschätzen.
Das heisst nicht, dass der günstigste Anbieter automatisch der beste ist. Qualität hat ihren Preis, und ein erfahrener Vermögensverwalter kann die Netto-Rendite durch fundierte Entscheidungen positiv beeinflussen. Aber es heisst: Jeder Franken, der unnötig abfliesst, muss erst verdient werden — und das ist bei Nullsummen-Überlegungen keine triviale Aufgabe.
Die fünf Kostenschichten
1. Transaktionskosten
Die offensichtlichste Kostenschicht: Courtagen und Ausführungsgebühren bei jedem Kauf und Verkauf. Was auf den ersten Blick klein aussieht — oft 0.1% bis 0.5% pro Transaktion — summiert sich bei aktiven Mandaten schnell auf.
Die Frage, die man sich stellen sollte: Wie viele Transaktionen werden pro Jahr in meinem Portfolio durchgeführt? Und dienen sie alle einem strategischen Zweck — oder entstehen manche durch ein Geschäftsmodell, das von Aktivität lebt?
2. Management Fees
Die Gebühr, die der Vermögensverwalter für seine Dienstleistung erhebt. Auf den ersten Blick die transparenteste Kostenschicht. Aber der Teufel steckt im Detail.
Bei sogenannten Dachfonds-Strukturen oder Fund-of-Fund-Lösungen zahlen Anleger die Management Fee mehrfach: einmal auf der Dachfonds-Ebene und zusätzlich innerhalb jedes Zielfonds. Gesamtkostenquoten (TER) können bei solchen Strukturen deutlich über der nominell kommunizierten Management Fee liegen — nicht selten im Bereich von 2% oder mehr, selbst wenn die ausgewiesene Management Fee nur 1% beträgt.
3. Steuern
Steuern sind keine Gebühr im klassischen Sinn. Aber sie sind für viele Portfolios der grösste Renditefresser überhaupt. Und oft ist die steuerliche Struktur eines Portfolios nicht das Ergebnis einer bewussten Optimierung, sondern von Gewohnheit.
Die Schweiz bietet — insbesondere im Vergleich zu vielen EU-Ländern — attraktive Rahmenbedingungen für die Vermögensanlage. Aber auch innerhalb der Schweiz gibt es erhebliche Unterschiede, je nachdem wie ein Portfolio strukturiert ist: Kapitalgewinne vs. Ertragsgewinne, Domizil der Fonds, Quellensteuer-Rückforderungen, Verrechnungssteuer. Wer diese Aspekte nicht systematisch berücksichtigt, kann Jahr für Jahr Rendite einbüssen.
4. Performance Fees
Das Konzept klingt auf den ersten Blick fair: Der Verwalter verdient nur, wenn er liefert. In der Praxis sind die Berechnungsmodelle aber oft so komplex, dass die vermeintliche Fairness auf der Strecke bleibt.
Zwei Aspekte, die selten thematisiert werden: Erstens die High-Water-Mark-Problematik. Wenn ein Portfolio nach einem Verlustjahr wieder auf den Ausgangswert steigt, hat der Anleger real nichts gewonnen — aber je nach Vertragsgestaltung fällt trotzdem eine Performance Fee an. Zweitens die Benchmark-Wahl. Gegen welchen Massstab wird die Performance gemessen? Ein Verwalter, der seine eigene Benchmark wählt, kann das Spiel zu seinen Gunsten gestalten.
5. Spread-Kosten
Die unsichtbarste aller Kostenschichten. Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kauf- und dem Verkaufskurs eines Wertpapiers. Bei liquiden Blue Chips ist er vernachlässigbar — wenige Basispunkte. Bei illiquiden Anlagen, exotischen Strukturen oder ausserbörslichen Produkten kann er 0.5% bis 2% pro Transaktion betragen.
Das Tückische: Spread-Kosten tauchen in keinem Gebührenausweis auf. Sie sind in den Ausführungskursen versteckt und damit für den Klienten praktisch unsichtbar.
Wie sich das summiert — eine nüchterne Rechnung
Bei einem Portfolio von CHF 10 Millionen kann bereits eine Gesamtkostenreduktion von 0.3% rund CHF 30’000 pro Jahr ausmachen. Das mag im Verhältnis zur Portfoliogrösse bescheiden klingen. Aber über zehn Jahre — bei Einbezug eines realistischen Zinseszinseffekts auf die eingesparten Beträge — kann sich das in einen mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich summieren. Bei grösseren Portfolios oder höheren Kostenunterschieden entsprechend mehr.
Das ist kein theoretisches Argument. Es ist Mathematik.
Warum Transparenz so schwierig ist
Man könnte meinen, dass ein vollständiger Kosten-Überblick Standard sei. In der Praxis ist er das oft nicht — aus mehreren Gründen.
Erstens sind manche Kosten strukturell versteckt. Spread-Kosten, steuerliche Ineffizienzen und Performance Fees innerhalb verschachtelter Fondsstrukturen tauchen nicht in einer einzelnen Gebührenübersicht auf. Man muss sie aktiv suchen.
Zweitens fehlt vielen Anlegern die Konsolidierung. Wer Depots bei zwei oder drei Banken hat, erhält von jeder Bank eine separate Aufstellung. Ein Gesamtbild existiert oft nicht.
Drittens können bei bestimmten Vergütungsmodellen strukturelle Interessenkonflikte entstehen: Wenn die Vergütung teilweise an Transaktionsvolumen oder Produktplatzierung gekoppelt ist, kann ein geringerer Anreiz bestehen, Gesamtkosten proaktiv offenzulegen. Das ist weniger ein Vorwurf an einzelne Personen als eine strukturelle Realität, die seit dem Bundesgerichtsentscheid von 2012 (BGE 138 III 755) zu Retrozessionen zunehmend in den Fokus gerückt ist.
Was Sie konkret tun können
Unabhängig davon, ob Sie mit uns arbeiten oder nicht — hier drei Schritte, die jeder Anleger umsetzen kann:
1. Fordern Sie eine TER-Aufstellung an. Nicht nur die Management Fee, sondern die Total Expense Ratio für jedes Produkt in Ihrem Portfolio. Ihr Berater oder Ihre Bank ist verpflichtet, diese Information bereitzustellen.
2. Konsolidieren Sie. Wenn Sie Vermögenswerte bei mehreren Banken halten, erstellen Sie — oder lassen Sie erstellen — eine konsolidierte Gesamtkostenübersicht. Nur so sehen Sie das volle Bild.
3. Fragen Sie nach Retrozessionen. Seit dem Bundesgerichtsentscheid von 2012 (BGE 138 III 755) besteht eine Herausgabepflicht für Retrozessionen, sofern der Klient nicht wirksam darauf verzichtet hat; zudem ist die Offenlegung gemäss Art. 26 FIDLEG vorgesehen. Fragen Sie explizit, ob und in welcher Höhe Rückvergütungen anfallen. Eine schriftliche Aufstellung ist Ihr Recht. Welche Fragen Sie Ihrem Berater konkret stellen sollten, beschreiben wir in Drei Fragen an Ihren Bankberater.
Unser Ansatz bei ETERNITY WEALTH
Kostenoptimierung ist kein Nebenschauplatz — sie ist integraler Bestandteil unserer Portfolio-Konstruktion. Das beginnt bei der Produktauswahl (kostengünstige, institutionelle Anteilsklassen wo sinnvoll) und reicht bis zur laufenden Überwachung aller Kostenschichten. Bei steuerlichen Fragen koordinieren wir uns mit Ihrem Steuerberater. Wie wir Portfolios systematisch konstruieren, beschreibt unser Artikel über Engineering-Denken in der Vermögensverwaltung.
Wir arbeiten ohne Retrozessionen und ohne eigene Produkte. Der Klient sieht jederzeit, was er bezahlt — ohne Lücken und ohne Kleingedrucktes.
Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre aktuelle Kostenstruktur im Detail aussieht, bieten wir eine unverbindliche Analyse an.
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und dient ausschliesslich Informationszwecken. Die genannten Beispielrechnungen dienen der Illustration und basieren auf vereinfachten Annahmen. ETERNITY WEALTH PARTNERS GROUP ist ein FINMA-regulierter Vermögensverwalter mit Sitz in Zürich.